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#1 Westliches Zimmer von JoelBrown 11.09.2008 17:23

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Joel öffnete behutsam die Tür, das letzte Mal als er hier gewesen war, war auch Zipora mitgekommen.
Es war Tarabas früheres Zimmer.
Joel sah kurz zu den zugezogenen Vorhängen, er trat dann näher zu dem verstaubten Schreibtisch und suchte sich einige Bücher zusammen.

#2 RE: Westliches Zimmer von Tarabas 06.05.2009 22:02

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Tarabas öffnete die Tür.
Jahre sind es nun her, seid er das letzte Mal hier gewesen war.
Das Zimmer war unbelebt und verstaubt - sein altes Kinderzimmer.
Doch was genau war es, das ihn nun gerade hierhin gezogen hatte?
Langsam schloss der die grosse, schwere Eisentür hinter sich zu und etwas Staub wedelte vom Boden auf durch die Luft.
Es war dunkel und abgebrannte Fakeln von früher hingen noch in ihren Fakelhaltern.
Weder Licht noch Wärme.
Tarabas sah sich um.
Erinnerungen. Viel war nicht zu erkennen, doch alles am Platz, wo es sein sollte.
Hier hatte Tarabas seine Kindheit erlebt, in diesem Raum.
Hier hatte er gelernt und gespielt. Hier hatte er seine Minister gehabt und auch Mentor.
Hierdrin hatter er die 900 Verse gelernt und hier drin hatte er sich einst auch nach Mutter und Vater gesehnt.
Tarabas erinnerte sich, ja...dieses Gefühl, das er damals gehabt hatte. Damals, als er dieses Zimmer zum ersten Mal verlassen durfte.
Er hatte sich gross gefühlt und stark. Ein Gefühl, als würde er die Welt nun bald sehen.
Tarabas lief zu seinem Schreibtisch.
Sein Schritt war deutlich im Raum zu hören, und einen Moment kam es ihm so vor, als höre er Mentor und die Minister hinter sich her gehn. Ja, so als wäre er der junge Prinz mit Bücher und Pergament in seiner Hand. Hilflos und gefangen.
Doch Tarabas brauchte sich nicht umzudrehen, um sicher zu gehen, wer da nun wirklich war.
Denn hinter ihm stand niemand. Er selbst war es nun, der diesen Klang von sich gab. Er war erwachsen geworden. Er war kein Kind mehr.
Am Schreibtisch angekommen, lag ein aufgeschlagenes Buch da.
Die Seiten waren so verstaubt, das man die Schrift auf dem Papier nicht mehr lesen konnte. Wie ein dicker Schleier, der darüber lag.
Doch Tarabas wusste genau welche Seite das war. Er hatte das Buch damals aufgeschlagen und seither niemehr geschlossen. Es war sein letzter Tag gewesen hierdrin.
Tarabas strich mit seinen Fingern über die glatte Oberfläche des Schreibtisches und grauer Staub blieb an ihnen Kleben. Sein Gesicht war unzufrieden.
In all den Jahren hatte er doch noch nie sein eigenes Schloss verlassen. In all den Jahren, hatte er noch nie den Park gesehn. Bloss herabschauen, doch nicht selbst erleben.
Heute morgen hatte Tarabas einen Traum gehabt.
Er hatte geträumt von früher und dieses Mal war auch Joel vorgekommen. Sie beide waren Brüder gewesen in dem Traum und sie beide waren hier drin gesessen und hatten gelernt.
Tarabas blickte auf die gegenüberliegende Seite des Schreibtisches.
Sie war an die Wand gestellt, doch im Traum hatte Joel hier seinen Platz eingenommen.
Tarabas strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wandte sich weg von dem Schreibtisch.
Seine Kehle war trocken geworden und er fühlte sich krank. Beinahe schon, als wäre ihm übel, er fühlte sich einfach schlecht.
Wann immer er solche Träume hatte, ging es ihm schlecht und er wusste nicht weshalb.
Schwer atmend fasste er sich an seiner Kette und schloss kurz die Augen.
Warum? Warum war alles genau so geschehen, wie man es wollte? Warum hatte er nichts falsch gemacht, warum musste er trotz alledem eine Kälte in sich spühren? Die Gewissheit ein Leid in sich zu tragen, ohne jemals eine Antwort darauf zu bekommen, was ihm überhaupt fehlte. Was sollte er denn noch anders tun?
Ein Knarren war zu hören und Tarabas schreckte auf.
Er hatte seinen Dolch gezückt und blickte sich um - nichts.
Niemand war her.
Seine Augen huschten durch den ganzen Raum, doch möglicherweise hatte er sich nur selbst aufgeschreckt. Ja, so musste es gewesen sein.
Denn hier war niemand und auch niemand hatte das Recht und den Mut ihm, König Tarabas, zu folgen.
Tarabas steckte seinen Dolch wieder zurück und er lief Richtung Ausgang.
Er wollte weg hier, keine Träume mehr! Keine albernen Gedanken mehr! Das ganze war so hirngespingstig, was sollte ein König wie er hier drin noch erwarten? Seine Minister waren alle tot, er hatte sie selbst töten lassen und das war die Strafe für ihre falsche Erziehung. Sie alle hatten gebüsst, was also noch auf Schritte und Stimmen warten?
Beim Vorbeigehen, hielt Tarabas jedoch noch inne. Sein Blick verharrte auf seinem Nachttischchen, wo eine kleine Schatuille darauf war. Sie war aus schwarzem Holz und grünen Diamanten. Tarabas sah darauf und sein Blick wurde leer.
Einen Moment lang blieb er wie vereist stehn, wandte den Blick dann aber wieder ab.
Es hatte keinen Sinn.
Niemand würde jemals verstehn, was er verstand. Er hatte sein Leben gelebt und sein Schicksal bestimmt.
Alles war bereits bestimmt und getan.

#3 RE: Westliches Zimmer von JoelBrown 07.05.2009 16:59

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Joel stand bei der Tür und hatte Tarabas beobachtet.
Er dachte sich bereits, dass er hierher gegangen war.
War es weil er eine Antwort suchte?
Joel schwieg und blickte weiterhin zu ihm, die Zetteln die ihm Milexûs damals von Tarabas gezeigt hatte, hatte er niemals mehr vergessen und nun dachte er an sie.
Früher als er noch um die 11 und 14 war, hatte er von Tarabas ein anderes Bild gehabt, ein Bild das wohl jeder von ihm hat.
Diese Macht.
Dieser Hass und die Selbstbewusstigkeit.
Aber in den Jahren in denen auch Joel so vieles durchmachen musste, hatte er eingesehen, dass weitaus mehr dahinter steckte.
Und er glaubte in Etwa zu wissen was es war.

#4 RE: Westliches Zimmer von Tarabas 07.05.2009 17:10

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Tarabas hatte sich abgewandt und wollte hinaus, als auf einmal Joel vor ihm stand und zu ihm blickte.
Tarabas war erschrocken stehn geblieben. Ein kurzer Anflug von Entsetzen, spiegelte sich in seinem Gesicht wieder, jedoch wurde es dann wieder kalt und leblos.
Tarabas hatte Joel hier nicht erwartet.
Einen Moment blieb sein Blick auf ihm harren, schliesslich schob er den Prinzen von sich zur Seite und ohne ein weiteres Wort lief er davon und sein flatternder Umhang verschwand in der Finsternis.

#5 RE: Westliches Zimmer von Pegasus 03.11.2009 17:41

Pegasus trat in den Raum.
Längst vergessene Erinnerungen behielt das Zimmer.
Viel Leid und bedrückende Leere konnte man förmlich vor dem verstaubten Ort her spüren.

#6 RE: Westliches Zimmer von Tarabas 03.11.2009 17:43

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Tarabas lief nur bis zur Tür und zögernd sah er hinein.
"Ich will nicht hier sein", sagte er und seine stimme war trotzig, als er wäre er ein Teenager.

#7 RE: Westliches Zimmer von Pegasus 03.11.2009 17:46

Pegasus musste in sich schmunzeln und äusserlich setzte er ein friedliches Lächeln auf.
"Oh.
Fürchtest du dich etwa?
Nun Tarabas, entweder du, oder dein Wille",
sagte er und wartete nun gespannt ab.

#8 RE: Westliches Zimmer von Tarabas 03.11.2009 17:48

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Tarabas trat nun herein.
Er hasste es, so von Pegasus behandelt zu werden, doch in seinem Ärger schwieg er und trat neben seinen Onkel.
Er verschränkte die Arme.

#9 RE: Westliches Zimmer von Pegasus 03.11.2009 17:53

Pegasus stand direkt vor dem Spiegel und da Tarabas neben ihm stand, konnte man auch diesen im Innern des Spiegels wieder finden.
Extra hatte Pegasus darauf geachtet vor dem zu stehen.
Interessant war es im eigentlichen doch.
Tarabas schien oft mit seinem eigentlichen Willen zu kämpfen, zumindest war der Meinung Pegasus.
"Sieh hinein.
Was seht Ihr, Tarabas?",
fragte Pegasus nun und wartete, seine Miene entspannte sich und ruhig sah er zu dem Spiegelbild.
Der Vampir schien es ernst zu meinen.
Es war keine Frage über die man später amüsiert zurück denken sollte.

#10 RE: Westliches Zimmer von Tarabas 03.11.2009 17:57

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Tarabas sah in den Spiegel und im ersten Moment nervte er sich gewaltig über die Frage.
Doch er war zu wütend um einfach davon zu gehn, zu verzweifelt und so blickte er eine Minute schweigend hinein.
"Ich sehe Onkel und neffe", sagte er mit leiser stimme und er wandte seinen Kopf weg von dem Bild.
"Lasst das, Pegasus..."

#11 RE: Westliches Zimmer von Pegasus 03.11.2009 18:00

"Ja", nickte Pegasus und fand das überhaupt keine falsche Antwort.
"Und was seht Ihr wenn ich", er machte einen grossen Schritt zur Seite und war aus dem Spiegel verschwunden, "nicht mehr da bin?"

#12 RE: Westliches Zimmer von Tarabas 03.11.2009 18:03

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Tarabas sah wieder in den Spiegel und sein Blick wurde wehmütig.
Er sah sich darin, er sah einen kleinen Prinzen alleine, ohne Familie und Spielkameraden. Er sah einen 17 Jahre blutjung gekrönten König, der vor Papieren sass und sich überlegte, wie er diese Welt aufbauen sollte. Er sah sich...alleine...ohne Joel.
Tarabas schluckte fest und er brachte keinen Ton heraus.

#13 RE: Westliches Zimmer von Pegasus 03.11.2009 18:05

"Ich sehe Einsamkeit", Pegasus schwieg dann für einen Moment und betrachtete weiterhin das Spiegelbild von Tarabas.

#14 RE: Westliches Zimmer von Tarabas 03.11.2009 18:07

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Tarabas biss sich auf die Lippen.
Dieses Wort war zu viel, zu viel!
Auf das hatte er nicht gehofft, dieses Wort hatte er niemals hören wollen, nein...
Schweigend hielt der König den Kopf gesenkt und er ballte seine Hände zu Fäusten.
Dann, begann er still und leise für sich zu weinen.

#15 RE: Westliches Zimmer von Pegasus 03.11.2009 18:11

"Und der Wille?", konnte man Pegasus Stimme dann fortfahren hören.
"Sehe ich nebst Euch."
Eine Hand wurde auf die Schulter von Tarabas gelegt.
Sanft hob Pegasus die rechte Hand Tarabas die zur Faust gekrümmt war und zeigte sie vor dessen Angesicht.

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