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#31 RE: Thronsaal von Cyrill 05.03.2011 14:58

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Cyrill blickte zu Luciana.
Er nickte dann entschlossen und lächelte.
"Es wäre mir eine Ehre, Luciana", sagte er ihr.
Er nahm dann ihre Hand und tritt leise mit ihr ein.
Von den Anwesenden würde sie niemand sehen können.
Und so traten sie in den Thronsaal König Tarabas‘.
Zu Pegasus‘ Zeiten hatte es hier von Gold und Diamanten geglänzt.
Heute waren nur noch die Bruchstücke übrig geblieben.
Schwerer kalter Stein und düstere Statuen.
Der Glanz und die Freude längst verloren.
Da standen sie also.
Sie alle: Cyrill, Luciana, Cyramo & Fabiola, der König, sein Berater und Marcellus.
Und es war gut, standen die beiden Unsichtbaren in grosser Entfernung zum steinernen Thron, auf dem der König stand.
Denn der Anblick war erschütterlich und versetzte Cyrill einen grossen Stich.
Wenn er sich jemals wirklich schuldig und schäbig gefühlt hatte – abgesehen vom Tod Merissa und Yadon – dann war es genau in diesem Moment.

#32 RE: Thronsaal von Tarabas 05.03.2011 15:01

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Marcellus drehte sich um und erblickte seinen König.
Einen König gezeichnet vom Tod.
Buchstäblich gezeichnet vom Tod, denn Tarabas sah entstellt aus.
Sein Gesicht und der Körper waren dem Aussatz verfallen und er war in seiner angsterregenden Scheusslichkeit kaum mehr zu erkennen.
Lepra.
Marcellus stand regungslos da und entgeistert sah er zu seinem König, der aufrecht, aber ganz schwach dastand.
Mit dem Schwert um seine Finger geklammert und einem Lederband, damit es nicht zu Boden fiel.
Tarabas stieg die wenigen Stufen hinunter und Aleander folgte ihm zügig hinterher, jederzeit bereit ihn aufzufangen, falls er stürzen würde.
„Du fürchtest dich“, sprach Tarabas und er hinkte auf den Merchisten zu.
„Gut. Ich will, dass man sich vor mir fürchtet.“
Vor Marcellus blieb Tarabas schliesslich stehn und er blickte auf sich hinab.
Das Schwert hatte sich von seinen Händen gelöst und baumelte seinem Sterbegewand entlang.
Ganz leise gab er einen erschöpften Seufzer von sich, während er seinen Kopf wieder hob und in Marcellus‘ Angesicht sah.
Dieser erwiderte seinen Blick nicht, denn Tarabas‘ Aussehen war abstossend.
Sein Gesicht war ganz geschwollen und voller Blasen, die über seine roten Augen quollen und bis runter den ganzen Hals verdeckten.
Tarabas‘ Haar war filzig und manchen Stellen nicht mehr vorhanden.
Und seine Finger waren verkrüppelt, so konnte es Marcellus sehn.
Schnell drückte Aleander dem König das Schwert zurück in die Hand und nahm dann Abstand.
Ja, in diesen Kampf durfte sich nun niemand mehr mischen.
Denn Tarabas hatte seinen Stolz und seine Ehre.

#33 RE: Thronsaal von Luciana Thunderstorm 05.03.2011 15:04

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Luciana schaute zu Cyrill und nahm seine Hand.
Es war für Cyrill mit Sicherheit ein besonderer Moment.
Neugierig betrachtete sie die Anwesenden und blieb schlussendlich bei Tarabas hängen.
Dies war also der König von Otopia.
Das Gefühl von Erfurcht und Respekt breitete sich in Luciana aus und sie war kurz davor
einen Knicks zu machen, auch wenn sie wusste, dass er sie eh nicht sehen konnte.

#34 RE: Thronsaal von Cyrill 05.03.2011 15:11

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Cyrill schluckte und er drückte Lucianas Hand umso mehr.
Tarabas in dieser Abscheulichkeit zu sehen, war schwer.
Es war ein Stich ins Herzen.
Zu denken, was wohl Tarabas selbst über seine Krankheit dachte?
Er musste furchtbar gelitten haben und nun war dem Zigeuner auch manches mehr klar.

#35 RE: Thronsaal von Marcellus 05.03.2011 15:12

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Stille.
Angespanntheit.
Es war, als würde das laute Ticken einer Uhr durch den Saal hallen.
Sanftes wispern der Kanonenschläge und Rufe des Volkes waren zu hören.
Das war sein Tag.
So manches Jahr…
So manche Stund hatte die Familie Ivors gelitten.
Marcellus atmete schwer und voller Hass bilckte er auf die jämmerliche, bedauernswerte Gestalt vor ihm.
Cyramo und Fenja lagen am Boden.
Angespannt und mit Angst blickten sie auf das, was kommen sollte.
Nur eine kleine Hilfe…eine helfende Hand.
Aber nichts.
Tarabas sollte alleine sterben, wie er es gewollt hatte.

#36 RE: Thronsaal von Luciana Thunderstorm 05.03.2011 15:20

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Lucianas Blick lag auf Marcellus.
Würde man ihn nicht höngen lassen, sobald sein Schwert den König durchborht hatte?
Am liebsten wäre sie auf die beiden zugegangen und hätte den Streitschlichter gespielt,
doch das war in dieser Situation unmöglich.
Erstens, weil beide nur für die Ehre lebten und zweitens, war sie eine Frau und hatte nichts zu sagen.

#37 RE: Thronsaal von Tarabas 05.03.2011 15:27

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Auch Cyrill griff nicht ein.
Wobei Grund genug da gewesen wäre.
Die Lage schien Aussichtslos, Marcellus war dem König bei weitem überlegen.
Der Einzige, der in dieser Lage wohl noch das Recht auf Eingreifen gehabt hätte, war Cyramo.
Doch dieser rührte sich auch nicht.
Denn durch sein Handeln würde er den König nur noch mehr erniedrigen und das würde er niemals tun.
So blieb den Anwesenden nichts anderes übrig als sich Still zu halten und zu hoffen.
Marcellus rührte sich nicht.
Er kämpfte nicht und die beiden Gegner standen einfach nur so da, begleitet von den hasserfüllten Rufen draussen.
Unten sprang das eiserne Tor auf und eine schallende Menge rannte durchs Schloss.
Man konnte sie hören, die schreienden Bürger.
Wie sie sich vordrängten Stock um Stock.
Nieder mit dem König!

„Feigling!“, provozierte Tarabas und Marcellus runzelte die Stirn.
„Tus nicht, Marcellus“, rief Cyrill und Cyramo horchte hoch.
Fragend blickte er zu seiner Cousine, deren Hand er dann umklammerte.
Leise sprach sie ein Gebet.
„Na los, töte mich!“, verlangte Tarabas und er machte einen Schritt auf den Merchisten zu.
Marcellus wich zurück und drehte sich um.
Bereit zu gehen – er wusste selbst nicht warum.
Das hier schien nicht richtig zu sein.
Alles schien verkehrt.
Und da kamen sie wieder, die Stimmen seines Vaters.
„Hoheit, ich flehe Euch an! Lasst meinen Sohn frei, ich tue alles dafür.“
Marcellus atmete tief aus und erneut stieg Hass und Enttäuschung in ihm auf.
Warum hatte dieser König niemals vergeben können?
„Dein Blut ist besudelt, Marcellus. Du bist zu denen geworden, die dich gebändigt haben. Ein Nichtsnutz bist du, und ein Verräter!“
„Das reicht!“
Wütend wandte sich Marcellus an den König und mit einem verhassten Stoss seiner Klinge in das Herz hinein, fiel der König.
Fiel er tot zu Boden.
Fenja gab einen schmerzerfüllten Schrei von sich, während Cyramo nach seiner Klinge griff und Marcellus wich vom toten Körper Tarabas‘ zurück.
Fassungslos und erschrocken.
Er hatte es wirklich getan…
Er hatte den König getötet.
Einen König, der nicht einmal imstande gewesen wäre, seine Hand zu heben.
So wehrlos war der kranke Tarabas gewesen.
Marcellus' Ziel war erreicht aber die Welt blieb nicht still stehn.
Sie würde weiter gehn...

#38 RE: Thronsaal von Cyramo 05.03.2011 15:32

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Cyramo schrie wutentbrannt und Aleander packte den Jüngling fest an den Armen.
„Lasst ihn gehn, Prinz!“, hiess ihm Aleander.
„Er muss mit seiner Schuld alleine leben.“
Marcellus trat einige Schritte zurück und er blickte sich um.
Die Angst packte ihn und der Merchist eilte davon.
Seine goldene Rüstung liess er zu Boden fallen und als Fledermaus sauste er hinaus aus dem Thronsaal heraus.
Es sollte das letzte Mal sein, das er hier gewesen war.

#39 RE: Thronsaal von Luciana Thunderstorm 05.03.2011 15:35

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Luciana beobachtete das geschehen und als Marcellus sich schließlich umdrehte,
schlug sie ihre hand vor dem Mund und erstickte ihren eigenen Schrei.
Sie sah zu, wie Tarabas zu Boden fiel und der Schrei Fenjas ließ sie erschaudern.
Es war alles so schnell gegangen... Langsam ließ sie ihre Hand zitternde Hand sinken.
Ruhe in Frieden dachte sie und berührte mit ihrer Hand erst ihre Stirn, dann die eine und dann die andere Schulter.
Danach faltete sie ihre Hände ineinander. Gott sei mit dir
Sie zuckte zusammen, als Marcellus seine Rüstung fallen ließ und hob den Kopf.
Sie sah nur noch, wie er als Fledermaus den Thronsaal verließ.

#40 RE: Thronsaal von Cyrill 05.03.2011 15:39

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[ danke]

Cyrill senkte seinen Blick.
Auch er schien ein kleines Gebet zu sprechen und biss sich dann schnaubend auf die Lippen.
Das es so enden musste.
Warum hatte niemand eingegriffen?
Nicht die Anwesenden hier...
Aber ausserhalb.
Beispielsweise von den Sümpfen jemand.
Es war tragisch und enttäuschend, das es so endete.
Es war ungerecht.
Dann schien es allmählich Ruhe einzukehren.
Was sicherlich seltsam war, war, dass die Bürger noch nicht hier oben eintrafen.
Man hörte sie nicht einmal mehr.
Fabiola schluchzte schwer und Cyramo kniete trauernd am Boden vor der Leiche seines Königs.
Aleander hatte dem Prinzen das Schwert abgenommen und war einige Schritte weggetreten.
Er blickte auf das entstellte Gesicht seines Herrschers und wandte den Blick wieder weg.
Es graute ihm davor, Tarabas so zu sehn.
Dann nahm Cyrill ein leichtes Flirren in der Luft wahr und er blickte zu Boden.
Goldene Nebelschwaden strichen sanft am Boden entlang – sie kamen von draussen herein in den Thronsaal und bahnten sich einen Weg über Tarabas‘ toten Körper.
Cyrill hielt inne und auf einmal konnten es auch die anderen sehn.
Der Raum wurde hell und sehr klar.
Fabiolas Schluchzen stoppte und mit verweinten Augen blickte sie innehaltend darauf, was geschah.
Tarabas Körper wurde von goldenem Nebel umhüllt und auf einmal hörten sie Stimmen.
Unbekannte Worte in einer fremden Sprache.
Cyrill atmete erleichtert auf.

#41 RE: Thronsaal von Luciana Thunderstorm 05.03.2011 15:41

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Luciana blickte auf den goldenen Nebel und verfolgte ihn, bis sie Tarabas erreichten.
Verwundert schaute sie sich um, als sie die Stimmen vernahm und fragend blickte sie zu Cyrill.
Er schien erleichtert zu sein, also war dieser Nebel keine Gefahr.

#42 RE: Thronsaal von Asitû 05.03.2011 15:44

Der Raum wurde auf einmal so hell, dass es alle blendete und Cyrill verdeckte sein Angesicht.
Er ging auf die Knie und verneigte sich.
Er wusste, die Königin war hier.
Er griff blindlings nach der Hand von Luciana und zog sie dann sanft auch zu sich hinunter.
Tarabas, erklang ihre Stimme, die gewaltig war und doch sehr sanft.
Komme ins Licht…
Langsam, da sich seine Augen daran gewöhnten, öffnete Cyramo leicht seine Augen.
Was er sah, war ein golden-weisses Licht über dem toten Haupt seines Königs.
Darin konnte er schwach eine Gestalt erkennen.
Ein Wesen von undefinierbarer Schönheit.
Er senkte den Blick wieder und fühlte sich schwach als ihre Stimme sprach.
Sohn des Königs…
Es wird Zeit nach Hause zu gehn…

Daraufhin beugte sich die Frau hinunter und küsste Tarabas auf seine Stirn.
Das Licht verschwand und alles löste sich auf.
Nur noch ein lauter, unheilvoller Schrei war zu hören und aus dem Körper von Tarabas befreite sich ein Schatten mit lautem Getöse.
Asitû ekplodierte in tausend Scherben und alles war vorbei.
Tarabas lag regungslos am Boden, seine Krankheit war fort.
Er war wieder so, wie er einst gewesen war…gesund und wohlgeformt.
Aber dennoch tot.

#43 RE: Thronsaal von Aleander 05.03.2011 15:45

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Aleander taumelte einige Schritte zurück.
Er fasste sich an die Kehle und fiel zu Boden.
Auch ihm hatte sie etwas zugeflüstert.
Auch er musste gehen, aber woanders hin.

#44 RE: Thronsaal von Cyrill 05.03.2011 15:46

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Als es zuende war und der Schrei vorüber, legte Cyrill seinen kleinen Arm um Luciana.
"Alles okay?", fragte er sie.

#45 RE: Thronsaal von Luciana Thunderstorm 05.03.2011 15:48

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Luciana hatte sich runterziehen lassen und nur einmal kurz zu der goldenen Gestalt geschaut.
Sie spührte dann den Arm von Cyrill um sich und schaute ihn lächelnd an.
"Ja" sagte sie und nickte.
Sie schaute zu Tarabas und schwieg.

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